Heilpädagogische Förderung mit Pferden

 

Zielgruppen

Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd richtet sich mit seinen Angeboten an folgendes Klientel:

Kinder und Jugendliche, die

  • Schwierigkeiten im Kontaktaufbau und in der Beziehungsgestaltung zu anderen Kindern haben
  • Defizite im Sozialverhalten aufweisen, z.B. aggressives Verhalten, geringe Frustrationstoleranz, geringes
    Einfühlungsvermögen
  • Schwierigkeiten bei der Integration in Gruppen haben, z.B. Probleme, sich in der Schule in die Klasse einzufügen
  • sich selbst wenig wahrnehmen und spüren können
  • sich schlecht konzentrieren können und / oder unter Aufmerksamkeitsdefiziten leiden
  • über ein geringes Selbstwertgefühl verfügen
  • Schwierigkeiten in der Selbsteinschätzung haben
  • Defizite im motorischen, sprachlichen oder sensomotorischen Bereich haben

Eltern mit ihren Kindern, die

  • ihre Beziehung zueinander stärken wollen
  • eine positive Kommunikation miteinander einüben möchten

 Ziele

Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd zielt auf die Stärkung und Entfaltung der individuellen und sozialen Kompetenzen ab. Konkret kann dies bedeuten:

Im individuellen Bereich

  • Basis schaffen für Vertrauensaufbau
  • Erleben und Differenzieren von Gefühlen
  • Harmonisierung der Motorik über sensomotorisches Training
  • Schärfen der Wahrnehmungssensibilität durch Aktivieren der sensorischen Integration
  • Finden bzw. Festigen eines sicheren Selbstwertgefühls
  • Erlernen einer realbezogenen Selbsteinschätzung
  • Erhöhen der Konzentrationsintensität und -dauer
  • Erhöhen der Selbstständigkeit
  • Erleben von Selbstwirksamkeit

Im sozialen Bereich

  • Einbeziehen eines Anderen (Pferd, Gruppenmitgleid) in die eigenen Aktivitäten
  • Fördern der Kontakt- und Beziehungsfähigkeit
  • Wecken und Fördern von Kooperationsbereitschaft
  • Angemessener Umgang mit Aggressionen
  • Rücksichtnahme im Rahmen des Gruppengeschehens
  • Konstruktive Konfliktbewältigung

“Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd” (HFP) ist eine ganzheitliche, pädagogische Methode. Es handelt sich dabei um die individuelle und an den Ressourcen orientierte Förderung von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern über das Medium Pferd.

​Die Förderung bezieht sich auf die Bereiche:

  • emotionales Wohlbefinden
  • soziales Lernen
  • Beziehungsfähigkeit
  • Konfliktbewältigung
  • Sprache
  • Motorik
  • Wahrnehmung und Entwicklung allgemein

Rolle des Pferdes​

Die Einbeziehung des Pferdes bietet eine Reihe an Vorteilen, die wir in der heilpädagogischen Förderung miteinbeziehen und welche den Prozess somit bereichern. So kann das Pferd durch sein neutrales, unvoreingenommenes Wesen Änderungen von Verhaltensmustern positiv beeinflussen, den Kontaktaufbau erleichtern, vertrauensbildend wirken, Sicherheit schaffen uvm.

Da Pferde grundsätzlich neugierig, interessiert und motiviert sind, strahlen sie Kraft und Energie aus, was sich ebenfalls positiv auf das menschliche Gegenüber auswirkt.

Das Pferd gibt dem Mensch die ganzkörperliche Erfahrung von Wärme, Rhythmus, Getragen- und Bewegt-Sein. So knüpft der Bewegungsdialog auf dem Pferd an ein Schlüsselprinzip nonverbaler Kommunikation an und wird damit zum beziehungsstiftenden Element schlechthin.

​​Verschiedene Settings

Die HFP wird unterteilt in heilpädagogisches Voltigieren (HPV), heilpädagogisches Reiten (HPR) und Einzelförderung. Welches der Settings geeignet ist, wird in einer vorab stattfindenden individuellen Auftragsklärung vereinbart.

Beim heilpädagogischen Voltigieren (HPV) geht das Pferd, geführt durch eine Longe, auf einem Zirkel. Dabei werden Übungen mit unterschiedlichen Zielsetzungen auf dem blanken Pferderücken in allen drei Gangarten Schritt, Trab und Galopp durchgeführt.

Heilpädagogisches Voltigieren findet im Gruppensetting mit einer Gruppengröße zwischen 3 und 4 Teilnehmern statt und richtet sich hauptsächlich an eine Altersgruppe ab 6 Jahren bis ca. 12 Jahren. Geeignet ist HPV vor allem für Kinder mit Förderbedarf im sozialen und motorischen Bereich. Die Gruppe eignet sich hervorragend, um Themen, die auch in anderen sozialen Gefügen wie Schulklasse, Verein etc. auftauchen, in einem geschützten Rahmen zu bearbeiten und Strategien z.B. im Umgang mit Konflikten, Äußerung und Vertretung eigener Bedürfnisse, Umgang mit unterschiedlichen Meinungen etc. zu entwickeln und zu üben.

​Beim heilpädagogischen Reiten (HPR) steht die Fortbewegung des Reitens als selbstgeführte und selbstständige Aktivität im Vordergrund und somit die selbstständige Einflussnahme des Reiters aus das Pferd. Der durch Pferd und Reiter entstehende Bewegungsdialog ist pädagogisch wertvoller Bestandteil der Arbeit.

Heilpädagogisches Reiten richtet sich an Kinder und Jugendliche ab ca. 12 Jahren, da es eine gewisse Bereitschäft zu Eigenständigkeit und Verantwortungsübernahme voraussetzt. Auch diese Maßnahme ist am wirkungsvollsten im Gruppensetting, da hier neben individuellen Themen wie z.B. Förderung von Selbstvertrauen, Durchsetzungsfähigkeit, Erkennen und Verbalisieren eigener Möglichkeiten und Grenzen auch Themen im sozialen Kontext bearbeitet werden können. Beim heilpädagogischen Reiten wird neben den Aspekten Selbstständigkeit, Selbstverantwortung vor allem auch der Aspekt der Selbstwirksamkeit besonders akzentuiert.

​Die Einzelförderung macht Sinn bei Kindern und Jugendlichen, die in einer Gruppe überfordert wären oder einfach mehr vom Einzelkontakt als in der Gruppe profitieren, sowie als Vorbereitung für eine Maßnahme in der Gruppe. Meistens ist das Ziel einer Einzelförderung längerfristig aber immer, das Kind oder den Jugendlichen in eine Gruppe zu integrieren.

​Des Weiteren biete ich heilpädagogische Förderung für Eltern mit ihren Kindern zum Thema Förderung der Eltern-Kind-Interaktion mit dem Pferd an. Wir erarbeiten, was gelungene Interaktion ausmacht, wie Sie die Bedürfnisse ihres Kindes erkennen lernen und was angemessene Reaktionen sind. Oft sind es Kleinigkeiten, die sich bereits positiv auf Sie und ihr Kind auswirken- in einer guten Beziehung lässt sich Ihr Kind einfach lenken, ist aufmerksam und bemüht. Die Begegnung über das Pferd stellt oft eine Erleichterung dar und ermöglicht einen Einstieg ohne Druck und Stress. Wir entscheiden individuell in welchem Setting wir arbeiten (z.B. ob geführt oder longiert). Teile des Prozesses werden, sofern Sie damit einverstanden sind, auf Video aufgezeichnet und anschließend gemeinsam reflektiert. Anhand der Bilder erkennen Sie noch einmal ganz anders, was Sie und ihr Kind bereits gut machen und wo es noch Änderungsbedarf gibt.

Ablauf

1. Erstgespräch: 

  • Individuelle Auftragsklärung und Zielvereinbarung mit den Erziehungsberechtigten und Kind/ Jugendlichem
  • Wahl eines geeigneten Settings (je nach individuellem Förderbedarf und Möglichkeiten der Gruppenzusammensetzung)
  • Finanzierungsmöglichkeiten

2. Durchführung der Fördereinheiten:

  • In der Regel wöchentlich
  • Über einen Zeitraum von ca. 10 Einheiten
  • Weitere Elterngespräche im Laufe des Prozess

3. Auswertung am Ende der heilpädagogischen Förderung

Die Dauer einer Fördereinheit beträgt inklusive gemeinsamer Vor- und Nachbereitung des Pferdes

  • 90 Minuten für Gruppenangebote und
  • 60 Minuten für die Einzelförderung

Finanzierungsmöglichkeiten werden gemeinsam besprochen. Bitte kontaktieren Sie Wastl-Hof, vielen Dank!